„Das Lied“ – Eindrücke eines Wettbewerbs, Teil 1

„In der Oper kann dir viel vom Regisseur abgenommen werden – beim Lied übernimmt man die volle Verantwortung.“ Charlotte Lehmann stützt sich auf die Armlehnen des tiefen schwarzen Sessels im Theaterfoyer, um nicht völlig von dem Ungetüm verschluckt zu werden. Trotzdem flößt mir die kleine, einnehmend sympathische alte Dame gehörigen Respekt ein. Kein Wunder – rund um die Erde profitieren Sänger seit Jahrzehnten von ihren Meisterkursen. Als eine der wichtigsten Sängerinnen der Nachkriegszeit ist sie ein altes Juroren-Häschen und bewertet jetzt beim Wettbewerb „Das Lied“ die jungen Musiker. Der wird das erste mal in Heidelberg statt Berlin ausgetragen. Vier Tage, in denen sich Sänger und Pianisten um eine kompositorische Randgruppe – oder Königsdisziplin? – kümmern: das Kunstlied.

„Eines unserer konzentriertesten, subtilsten und gleichzeitig komplexesten Ausdrucksmittel“, sagt Charlotte Lehmann, und ich kann ihr da nur zustimmen. Keine musikalische Gattung ist so intim wie das Lied. Das liegt natürlich einmal daran, dass man singt, ganz klar. Das Musikinstrument bist du selbst, also lass die Hosen runter! Aber es gibt viele andere Aspekte, die Liedgestaltung für Sänger und Pianisten gleichermaßen spannend und wertvoll machen. Zum Beispiel, binnen Sekundenbruchteilen durch die Erzählperspektiven zu hüpfen, Rollen zu wechseln und dabei auch noch zu meinen, was man singt. Letzteres klingt banal, kann aber der Glaubwürdigkeit einer Interpretation sofort den Todesstoß versetzen.

Deshalb hält die Grande Dame der Juroren auch beim 14. Duo am ersten Tag die Augen wachsam offen. „Einem guten Sänger will man doch auch zusehen. Weil er den Ausdruck zu jeder Sekunde im Körper trägt. Sänger, die nicht frei sind mit ihren Gesichtszügen, die sind auch meist nicht frei im Ton.“ Ist es auch für Opernsänger wichtig, sich mal mit Liedgestaltung zu beschäftigen? „Oh ja, oh ja!“ Lehmanns Augen glänzen, und sie hüpft ein bisschen aus dem Sessel. „Die feinsten Schattierungen in der Stimme lassen sich nirgendwo besser trainieren. Außerdem muss man genau so intelligent wie musikalisch sein, um die Texte zu durchdringen.“ Um sich eine Rolle im Musiktheater anzueignen, ist das natürlich Gold wert.

Meine Kollegin Hannah hatte mit ihrem Bericht zum ARD-Wettbewerb so schön das Thema „Bewertung“ beleuchtet, dass ich mich entschlossen habe, darüber zu schweigen. Frau Lehmann sieht das ohnehin unproblematisch: „Hier sind das solche Bögen mit einzelnen Kriterien, die man dann bewerten kann. Diskutiert ist bis jetzt noch nicht worden, das wäre uferlos.“ Das stimmt. Wer sich die Duos anhört, kommt sich vor wie in einem akustischen Einkaufsparadies: alles so schön bunt hier! Nur ganz selten ist mal eine angestoßene Banane dabei, die man behutsam wieder zurück legt – mit der Delle nach hinten. „Die Leute, die hier ankommen, brauchen sich nicht sagen zu lassen, dass sie bestimmte Sachen anders machen sollten. Die sollen sich jetzt entfalten, und wir sehen, wer damit überzeugt!“ Vielleicht wäre ein Feedback ab und an aber doch ganz nett. Da frag ich morgen mal nach …

Für alle, die mal reinschauen möchten – gleich geht`s weiter: http://www.das-lied.com/livestream/

Almost Famous – oder auch nicht

Ich stehe nicht auf der Liste. Mal wieder. Sowas passiert nicht immer, aber oft genug, um damit ab und an rechnen zu müssen. In solchen Situationen denke ich an den Film „Almost Famous“, der auch vor verschlossenen Türen beginnt. Der junge Musikjournalist William Miller kommt nicht ins Konzert, obwohl er für ein lokales Fanzine ein Interview mit Black Sabbath führen soll. Aber hier geht es nicht um Black Sabbath. Es geht um eine Johannespassion mit dem Kirchenchor oder einen Jazz-Star mittlerer Bekanntheit oder einen ausverkauften Abend im örtlichen Konzerthaus. Je unbekannter der Arbeitgeber, desto wahrscheinlicher, dass der/die freundliche Kassenbedienstete keine Ahnung hat, woher man kommt, was man will und ob man es darf. Und dann beginnt der Horror.
(Spoiler: Wie William Miller schaffe auch ich es letztendlich immer rein, egal ob zu Recht oder nicht, ergo ob sich der Veranstalter oder die Redaktion geirrt hat. Einmal stand die „eigentliche“ Kritikerin vor mir und sagte mit drohender Stimme „das ist mein Platz…“. Sehr unangenehm sowas, und es war wirklich nicht meine Schuld, ehrlich!)

Für diejenigen, die keine Karten haben und auch keine kaufen wollen, gibt es an der Kasse auch keinen Platz. Im besten Fall gibt es eine Ecke, in die man sich als Kind schon stellen musste, um sich zu schämen. Das Tolle an der Ecke ist auch, dass man dort von ausnahmslos allen dabei gesehen wird. Die Ecke ist der grausige Ort des Wartens, des Wartens auf die Aufklärung, auf wichtige Telefonate, die getätigt werden könnten, wenn denn all die anderen Besucher mit Karten versorgt sind, der Rest geklärt ist und Brigitte kommt, wir warten auf Brigitte. Oder Markus, sie sind vom Management, die können das entscheiden. Warten in der festen Hoffnung, dass ich am Ende doch reinkomme, aber mit genug Ungewissheit, die mir alle paar Sekunden den Magen umdreht. Durchsetzt von Momenten des existentiell bedrohenden Selbstzweifels, der eitlen Selbstbeschwichtigung sowieso zu gut für das alles zu sein und der rastlosen Aggressivität, die kein Ventil finden darf. AAAAH!

Da landet auf mir der hoffnungsvolle Blick eines dieser Menschen, die noch eine Karte loswerden wollen. Auch er wurde von dem/der freundlichen Kassenbediensteten zuvor mit einem äußert netten und bestimmten Blick in die andere Ecke verwiesen, um nach Abnehmern Ausschau zu halten. Ach sie ist krank geworden? Wie schade. Super Plätze! Danke, aber nein danke, ich habe selbst Karten, eigentlich. Aber warum soll ich bezahlen, wenn ich zur Arbeit gehe. Vierzig Minuten stehe ich hier vor der Toilettentür rum, das macht Laune für eine richtig gute Rezension. Was soll ich denn jetzt schreiben? Da möchte ich am liebsten meinen Stolz wieder zusammenkratzen und gehen. Demonstrativ. So. Ich gehe jetzt. Ja. Sofort. Jetzt gleich. Ich warte noch drei Minuten und dann gehe ich. Noch fünf. Na gut sieben. Ah, die sieht wichtig aus, das wird bestimmt, ach doch nicht. Ok, jetzt noch zwei. Noch eine. Jetzt gehe ich aber. Ach Moment, da kommt jemand. „Hier, die da hinten ist von keine-Ahnung-was und sollte wohl auf der Liste stehen.“. Zum Teufel mit eurem Laden! Ich bin – oh, das ging ja schnell, äh… danke…. ja… ok… ich sage Bescheid….. Dann… beim nächsten Mal….

 

Schubertgruselhorror

von Hannah Schmidt

Schritte im Schnee.
Schritt Schritt Schritt Schritt. Pause.
Schritt Schritt. Pause.
Schritt Schritt Schritt. Pause.

Seltsam hohles Saitenklappern mischt sich rhythmisch unter die verstohlene Bewegung. Eine chromatische Bewegung schleicht irgendwo durch die tieferen Register der hohen Streicher, bevor sich die charakteristische fallende Melodielinie aus dem Vorspiel von Franz Schuberts Lied „Gute Nacht“ aus der „Winterreise“ über die unheimlichen Geräusche mischt. Bevor der einsame, vertriebene Wanderer seufzend zu Singen beginnt, sein „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“, gibt es in Hans Zenders „komponierter Interpretation“ noch so einige bizarre, schauderhafte Geräuschmomente, von Hundeknurren hin zu Knochenklappern …

Diese Art der „komponierten Interpretation“ ist eindrücklich. Sie lässt zwar manchmal keine große eigene Deutungsmöglichkeit mehr, weil sie doch sehr deutlich ist. Aber in einem Fall wie bei Schuberts „Winterreise“ ist diese inhaltliche Richtung, so düster sie auch sein mag, sehr erhellend. Vor ein paar Tagen habe ich Teile von Zenders interpretierender Orchestration gehört und habe mich unwahrscheinlich gegruselt.

Zwar geht es schon ein bisschen aus dem Text hervor, doch macht Zender es vor allem in dem oben angeführten Beispiel von „Gute Nacht“ bildlich: Der Wanderer, der Vertriebene, schleicht nachts im Schnee um das Haus seiner ehemals Geliebten. Das ist unheimlich. Er rekapituliert im Selbstgespräch ihre Geschichte, seine Hoffnungen, das plötzliche und für ihn unverständliche Ende ihrer Liebe. „Die Liebe liebt das Wandern, Gott hat sie so gemacht“ singt er zunächst wie aus Schuberts Vertonung bekannt auf die sich wiederholende Melodie, und schreit es im nächsten Moment grotesk verzerrt, begleitet von beißenden, hässlichen Klangfarben in die kalte Nacht (Brecht lässt grüßen). Spätestens hier ist jede übrig gebliebene Romantik des 19. Jahrhunderts verschwunden, spätestens hier bekommt man als Hörer eine eiskalte Gänsehaut.

Hören mit doppelten Ohren

Gerade zur Zeit, wo ich mich an der Uni intensiv mit der Schubert’schen Vertonung des Gedichtzyklus von Wilhelm Müller beschäftige, höre ich Hans Zenders „komponierte Interpretation“ mit sozusagen doppelten Ohren: Bei genauerem Hinhören und Analysieren stellt sich nämlich heraus, dass schon Schubert den Wanderer im Zyklus als, sagen wir, ein bisschen irre, als klinisch depressiv und mindestens mit dem Hang zu Lust am Leid nachzeichnet. Ja, der Text steckt schon voller Todessehnsucht, Schuberts Vertonung zusätzlich voll Depression und Getriebenheit – und Zenders Interpretation gibt dem ganzen noch einmal ein neues Gesicht: das der Unberechenbarkeit eines psychisch labilen und zutiefst verletzten Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat.

Für mich bedeutete das beim ersten abendlichen Hören bei Stücken wie „Gute Nacht“ und dem „Leiermann“: Grusel pur. Schubertgruselhorror. Kein Müller’sches Abstraktum des Todes in Form eines „Leiermanns“, kein durch die Vertonung quasi sichtbarer alter Mann mit einer kaputten Leier, sondern ein halb verfaulter Zombie, der zuckend und mit verzerrtem Grinsen in einem schief hängenden Gesicht am Wegesrand auf den Wanderer wartet.

Wer die „Winterreise“ kennt, sollte unten auf jeden Fall „Play“ drücken. Wer sie nicht kennt, höre sie sich am besten erst einmal an, und danach Zenders Werk. Ich verspreche: Ihr werdet dieses musikalische Erlebnis nicht vergessen.

Elphi

von Miriam Stolzenwald

Da steht sie nun, auf einem Speicher
und macht die Hansestadt noch reicher.
Sie kostete viel Energie
die neue Elbphilharmonie!

Hamburg sei nun wirklich stolz,
verkündet Bürgermeister Scholz.
Denn nach zehnjähriger Wartezeit
ist man zum Empfang bereit.

Der Baustopp, der ist längst vergessen,
denn die Kosten war’n vermessen.
Und nun sind es 866 Millionen,
die in der HafenCity thronen.

Aus Stahl, aus Glas und aus Beton,
glitzert das neue Wahrzeichen.
2200 Glaselemente
setzen hier ganz neue Akzente.

Das Wasser kann dort reflektieren,
auf der Plaza geht man spazieren.
Auf über hundert Metern Höhe
ragt auf das Dach, wie eine Welle.

Was macht man nun an diesem Ort,
der ja nun ganz schön teuer ward?
Ein Haus für alle soll dasselbe
sein – mitten an der Elbe.

Konzerte, Sinfonien, Choral,
spielt man im wohl besten Saal,
den der Toyota-Akustiker,
mit 10.000 Gipsfaserplatten versah,
die alle einzeln konstruiert,
damit der Klang darin changiert.

Der Intendant, Herr Lieben-Seutter,
wird nun des Kunstwerkes Begleiter.
Karten gibt’s kaum noch für die Saison,
vielleicht noch für das Feuilleton.

In großer Konzert-Zeremonie,
wurd‘ sie eröffnet, die Philharmonie.
Und allesamt sind dagewesen,
Politiker und andere Wesen.

Herr Hengelbrock spielt Beethoven
und andere Intermezzien;
das Publikum ist sehr beseelt –
war’s das, was Hamburgs Musikszene fehlt?

Vergessen ist jetzt das Geschrei
und all die ganze Zankerei,
denn es gab wenig Harmonie
um den Bau der Elbphilharmonie.

Nun könn‘ wir nur die Daumen drücken,
dass dieses Haus die Stadt wird schmücken.
Beendet ist der Baustell‘n-Krieg –
ab nun ist Platz für die Musik.

Das Berichten-wir-Dilemma

von Hannah Schmidt

Zwar schreibe ich hier als Musikjournalistin, doch trotzdem auch als Journalistin, die sich im Alltag auch mit anderen Dingen als Musik beschäftigt – weil ein Musik-Termin auch sehr schnell politisch werden kann. Vergangenen Freitag bin ich bei einem Probenbesuch in eine journalistische Schleife hineingeraten, die mich seitdem nicht mehr los lässt: Ich wollte zu einer Generalprobe in einer von Dortmunds Innenstadtkirchen, weil ich es zum Konzert am nächsten Tag nicht hätte schaffen können.

Kurz vor Beginn sagte man mir am Telefon, etwas sei komisch, alles voller Polizei, und ich solle durch den Sakristei-Eingang in die Kirche kommen. Drinnen angekommen saßen Chor und Orchester auf ihren Plätzen oder im Kirchraum verteilt, untätig, im hinteren Teil der Kirche Polizisten. Leute hätten sich auf dem Kirchturm verbarrikadiert und würden von oben rechte Parolen in die Fußgängerzone rufen, hieß es. Die Pfarrerin der Kirche hatte schon reagiert und die Glocken in Dauerbetrieb geschaltet – draußen hörte man nichts mehr. Proben im Inneren der Kirche war aber auch nicht möglich.

Reaktion eins, Reaktion zwei

Meine erste Reaktion: Ich rief in der Redaktion an. Ausnahmsweise war dort niemand mehr. Zweite Reaktion: Ich holte etwas zum Schreiben heraus und ging zu den Polizisten. Wenig später traf der für den Presse-Kontakt vor Ort zuständige Beamte ein, wir gingen nach draußen, er berichtete Geschehnisse und Details. Einer unserer Fotografen war auch schon da, lief herum und machte Fotos. Riesen Aufmerksamkeit. Als ich in die Kirche zurück wollte, ließ man mich nicht.

In mir fand ein kleiner Kampf statt: Fährst du in die Redaktion und schreibst es auf, bescherst dieser Propaganda-Aktion noch mehr Öffentlichkeit, als sie ohnehin schon hat – oder lässt du es bleiben und verschweigst damit etwas, was mehrere Tausend Leute kopfschüttelnd ohnehin beobachtet haben? Trotz aller Bedenken, die erste Stimme war stärker. Ich fuhr noch einmal zurück und schrieb auf, was der Presse-Zuständige mir vor Ort erzählt hatte. Neutral und knapp. Ich ordnete es weiter unten auf der Startseite an, teilte es nicht in sozialen Netzwerken. Im Laufe der Nacht sollte es immer weiter nach unten rutschen. Ein Kompromiss.

Pustekuchen.

Natürlich blieb es nicht dabei, Kollegen, Zeugen und auch die Rechten selbst suchten und fanden den Bericht und teilten ihn eigenständig. Andere Medien berichteten gleichfalls, boulevardesker, prominenter. Die Propagandisten frohlockten über das Medienecho, das sich bis zum nächsten Morgen und auch noch am nächsten und übernächsten Tag hielt und sich sogar überregional und international ausweitete. Ich wäre am liebsten im Boden versunken.

Zwar riefen und rufen die Berichte bei den Lesern zu fast 100 Prozent Empörung hervor, sie verurteilen die Aktion scharf. Andererseits weiß trotzdem fast jeder im Land, was am Freitagabend auf Dortmunds Kirchturm passiert ist. Was wäre schlimmer gewesen? Diese Situation, wie sie jetzt ist, zu der ich beigetragen habe – oder eine andere, das Nicht-Berichten oder nur kurz anreißen und sonst nichts weiter? Mittlerweile glaube ich, dass nicht so maßgeblich ist, wie ein einzelner Verlag handelt oder Stellung bezieht. Selbst der spätere Entschluss, den Text weiter auf eine dreisätzige Meldung zu verkürzen und mit einer Klausel („Wir berichten nicht ausführlicher Punkt“) zu versehen, hat das Lauffeuer nicht stoppen können. Was es gebracht hat: Die Redaktion hat sich positioniert, sie hat den Propagandisten den Kampf erklärt: „Egal, was ihr tut, wir bieten euch diese Öffentlichkeit nicht.“

Journalismus persönlich beleidigt?

Was da stattfindet, ist ein Kleinkrieg. Die Reaktion finde ich einerseits gut, andererseits hat sie auch etwas persönlich Beleidigtes. Was man aus dieser Meldung herauslesen kann ist: Gruppe X macht etwas, und das verurteilen wir. Im Fokus steht nicht mehr die journalistische Berichterstattung, sondern die politische Haltung der Redaktion. Aber soll das? Ist das sinnvoll? Was passiert, wenn Journalismus bei komplizierten Sachverhalten in erster Linie auf der Meta-Ebene seine Meinung darstellt, anstatt nach nachrichtlichen Kriterien – informativ – darüber berichtet?

Vielleicht wäre die kurze dreisätzige Meldung ohne den moralischen Nachklapp sogar noch besser gewesen. Nicht begründen, warum das keine ausführliche Geschichte wert ist, sondern die Sache einfach so behandeln. Vorleben statt erklären.

Ein Alternativvorschlag

Toll gefunden hätte ich im Nachhinein, glaube ich, diese Nachricht:

„Die Glocken der Innenstadtkirche haben am Freitagabend zwei Stunden ohne Pause geläutet. Der Grund dafür waren Rechtsextremisten, die sich im Turm verbarrikadiert hatten und von oben Parolen brüllten. Durch das Geläut waren sie unten nicht mehr zu hören. In einer gemeinsamen Aktion konnten Polizei und Feuerwehr die acht Männer und Frauen nach einer Stunde wieder aus der Kirche führen.“

Habt ihr eine Lösung?

Ich mach doch nur mein‘ Job!

von Thilo Braun

Tagebucheintrag eines Musikjournalisten

Wie ein Teleshopping-Moderator auf Koks sprang der Pressesprecher hinter seinem lächerlichen Tresen hervor, Eintrittskarten und Programmheft wedelnd, mit der einstudierten Lächelfassade. Schon seit Tagen penetrierte mich die Oper mit billigen Werbemails (ich sag nur „Feuerwerk der Gefühle“). Dennoch hatte ich mich durchgerungen, dem Haus nach einer Reihe mittelmäßiger Premieren eine letzte Chance zu geben. Kaum hatte ich das Foyer betreten, bereute ich die Entscheidung bereits. „Oh das freeeut uns aber sehr, dass Sie uns beehren!“ Diese Schlange. Als ob ich nicht wüsste, wie verhasst ich ihm bin, ja wie empfindlich Monsieur Pressesprecher auf die Spielplan-Kritik meines letzten Artikels reagiert hat. Irgendwie gelang es mir, eine bissige Bemerkung herunterzuschlucken, ich wollte einfach nur möglichst schnell die Karten entgegennehmen und ab in den Saal. Denkste. Dieser Hornochse besaß doch tatsächlich die Frechheit, mir während der Übergabe noch den Flyer für die Operetten-Gala unterzujubeln: „Da müssen Sie unbedingt auch kommen, das wird SEN-SA-TIO-NELL!“ Da hab‘ ich endgültig die Beherrschung verloren und ihm ordentlich die Meinung gegeigt… Wirklich, ich hasse Pressesprecher. Immer dieses anbiedernde Gesäusel, das geheuchelte Interesse – einfach alles an diesem Beruf ist falsch!

Tagebucheintrag eines Pressesprechers

Obwohl ich auf keine meiner Mails auch nur die geringste Reaktion erhalten habe, war ich so weitsichtig, zwei Pressekarten zurückzulegen. Dabei war die Berichterstattung in dieser Spielzeit alles andere als zuverlässig! Kaum sah ich den hochnäsigen Griesgram zur Tür hereinstolzieren, bereute ich die Entscheidung schon wieder. Trotzdem versuchte ich es mit einer einladenden Geste. Ich kramte Karten und Programmheft raus und begrüßte ihn in aller Höflichkeit. Der Dank dafür? Ein abschätziger Blick von Kopf bis Fuß und ein zynisches Lächeln. Wie kann man nur so boshaft und undankbar sein! Nicht einmal den Künstlern zollt dieser Kerl Respekt, die sarkastischen Zwischentöne in der letzten Kritik waren ja kaum zu überlesen. Dass unser Haus auf Berichterstattung angewiesen ist, selbst wenn sie schlecht ausfällt, macht mich manchmal ganz rasend. Dieser Gockel hat doch keinerlei Vorstellungen davon, wieviel Herzblut und Arbeitseinsatz in einer Produktion steckt, die er mit einem einzigen Satz vernichtet! Irgendwie gelang es mir, die Wut herunterzuschlucken – schließlich ging es um die Zukunft des Hauses. Einfach schnell den Job hinter mich bringen. Ich legte noch eine Informationsbroschüre dazu und wollte dem Herrn Kritiker gerade eine gute Vorstellung wünschen – doch dazu kam es nicht mehr. Wie ein Irrsinniger schnauzte er mich an, was mir einfiele seine wertvolle Zeit zu stehlen, ich sei eine penetrante Nervensäge, eine bemitleidenswerte Person und weiß Gott noch was. Mir war das vor den Gästen unendlich peinlich. Wirklich, ich hasse Musikkritiker. Immer dieses Gehabe, als seien sie der Nabel der Welt, die Weisheit in Person, ja die Musikgötter selbst – einfach alles an diesem Beruf ist Selbstbeweihräucherung!

Neulich bei der Uraufführung

von Anna Chernomordik

Der Titel ist gelogen. Es war eine Erstaufführung. Und deswegen war ich nicht einmal da, sondern wegen „Pierrot Lunaire“, einem Stück nicht mehr neuer, aber doch wenig gehörter Musik. Arnold Schönberg hat es 1913 komponiert. Knapp 100 Jahre später traf es in der Schule im Musik-Unterricht bei mir voll ins Schwarze, seine düstere Atmosphäre, die schaurige Romantik der Sprache, die fremdartigen und berührenden Klänge, der leichte Wahnsinn in der gesungenen Sprechstimme. „Endlich habe ich einen Zugang zu neuer Musik!“, dachte ich mir.

Da hielt ich mich aber auch für fortschrittlich, weil ich zeitgenössischer Musik grundsätzlich nicht abgeneigt war. Einige Jahre später hörte ich also das Werk endlich im Konzert, mit einer erstklassigen Besetzung, in einem großen Konzertsaal. (War cool, übrigens, aber es kam nicht ans erste Mal Hören heran und darum geht’s hier auch nicht.) Vorangestellt wurden zwei deutsche Erstaufführungen.

Die Ohren gespitzt, die Klänge aufgesogen, bin ich in der ersten längeren Pause eingeschlafen. Es hat nichts genützt, das verräterisch ruckartige Herunterfallen des Kopfes durch ein betont langsames in-den-Nacken-Rollen abzufangen, als würde man nur die Hörposition wechseln. Wen will ich denn hier beeindrucken? Spätestens beim Applaus fühle ich mich ertappt. Das kleine aber offenbar expertige Publikum jubelt, Bravo-Rufe, eine Frau klopft dem in den ersten Reihen sitzenden Komponisten anerkennend auf die Schulter. Hier ist die Klassikszene lebendig, hier passiert etwas. Aber was? Gern würde ich in die Köpfe der Leute schauen, der Jubelnden, der Nickenden, aber auch derjenigen, die fluchtartig den Raum verlassen.

Was sind das für Menschen, die sich in diesem Konzert wiederfinden? Oder bin ich die einzige, die sich nicht zugehörig fühlt? Je mehr ich höre, desto offener werden meine Ohren, das ist eigentlich die Devise. Und ich gebe mich auch nicht als Expertin aus, aber komplett ahnungslos bin ich auch nicht. Außerdem gab es eine Einführung, einen Einleitungstext und für besonders Interessierte ja sogar die Möglichkeit, den Komponisten anzusprechen. Aber es ist schon schwer zuzugeben, dass man eigentlich nichts verstanden hat. Da war nur so ein Gefühl. Das reicht nicht und das ist sehr frustrierend, als würde die schwere Tür, die man gerade einen Spalt weit aufgekriegt hat, wieder zufallen. Nur ein kleiner ignoranter Hoffnungsschimmer wispert: „Vielleicht war’s ja die falsche?“ 

Gedanken über Kürze und Würze und Musik

von Hannah Schmidt

Ich will zu viel Platz. Im Zug, in meiner Wohnung, beim Kofferpacken. Und beim Schreiben. 6000 Zeichen, heißt es, 400 Zeilen oder „zweispaltig blatthoch, mehr nicht“. Kamikazeartig ziehe ich auf eigene Faust Bildboxen auf der ungedruckten Seite unter oder über meinem Text kleiner, verkleinere Schriftarten, kürze Zwischenzeilen heraus, damit dieser eine Satz noch reinpasst, irgendwie.

Ich gehe in ein zweistündiges Konzert oder in eine vierstündige Oper und habe nachher 80 Zeilen für alles, was ich danach loswerden will. Ich spreche mit Dirigenten und Musikern über ihre ästhetischen Vorstellungen und kriege 6000 Zeichen. Das tut weh. Das Argument im Print kann ich noch verstehen: „Zu morgen haben wir neun Seiten und halbseitige Anzeigen auf der Eins, der Drei und der Vier.“ Es gibt ein festes Layout und mindestens zwei Themen pro Seite. Dazu Notizen und Meldungen. Ein „tragendes“ Bild muss auch drauf sein. Okay. Ich kann mir das vorstellen, weil man nachher die Zeitung in der Hand hält. Beim Halten werden irgendwann die Arme lahm. Es gibt rein physisch gesehen nur begrenzt Platz.

Platz für ganze Bücher

Online kann ich ganze Bücher auf einer Webseite darstellen. Mit Bildern und Videos und Audios und verrückten interaktiven Grafiken. Platz gibt es unendlich. Trotzdem begrenzt man sich. Das Argument hier: „Der Leser“, so heißt es, „verweilt“ nur durchschnittlich soundsolange auf einem Text. Was ist das denn für ein Ansatz? Wir produzieren immer kürzere und zerpflücktere Texte, immer mehr kurze Videos und Fotoslider, mit denen wir den Textfluss zerreißen, anstelle von Buchstaben, immer mehr Links und anklickbare Querverweise pro Satz – und messen natürlich eine immer kürzer werdende Aufmerksamkeit bei „dem Leser“.

Das ist ein bisschen wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei – aber ich vermute, der „Kürze und Würze“-Wahn trägt zu dem immer unaufmerksameren Leseverhalten bei. Ja, es ist fordernd, einen langen Text zu lesen, es ist auch anstrengend, ein dickes und schweres Buch zu lesen oder sich eine Sinfonie oder den ganzen „Ring“ anzuhören und anzusehen. Wer hat noch nie in der Oper geschnauft und heimlich auf die Uhr geguckt? Das sind Längen, die aber Musik als Zeit-Kunst und Text als Zeit-Gattung mit sich bringen. Längen, für die aber „der Leser“ keine Zeit mehr hat. Und Längen, die wir von „dem Leser“ nicht mehr fordern – oder nur in Ausnahmefällen.

Wer oder was ist „der Leser“?

Ich habe den Begriff „der Leser“ hier immer in Anführungsstriche gesetzt. Weil ich glaube, dass es „den Leser“ nicht gibt. Ich würde gerne noch diesen einen Satz oder diesen zusätzlichen Absatz im Text lassen, für den Leser nämlich, der ihn trotzdem liest. Das ist idealistisch. Aber ich möchte nicht einer negativen Entwicklung in der Leser-Welt noch Feuer geben, indem ich mich ihr füge.

Was natürlich nicht heißt, dass nicht viele Texte, die ich in die Welt verbreiten wollte, dadurch sogar gewonnen haben, dass sie gekürzt wurden. Und sicherlich ist die Reduzierung eines Textes um einen oder zwei Gedanken den zusätzlichen Leser wert, der bis zum Ende dabeibleibt. Doch bis sich in mir irgendwann nichts mehr sträuben wird gegen das Credo „Wir müssen uns den Gewohnheiten der Leser anpassen“, wird noch viel Zeit vergehen, glaube ich, viel Erfahrung passieren, viel gekürzt werden und ja – das wird anstrengend.

 

 

Das Sommerloch

von Robert Colonius

Zur Sommerzeit kommt vieles zum Erliegen,
es fließt der Schweiß, es brennt die Luft, o Graus!
Manch einen zieht es in die Welt hinaus,
ein andrer muss sich mit Nichtstun begnügen.

Auch die Musik schweigt oft in dieser Zeit.
Wer übt schon gern, wer spielt schon schön und fein,
statt rauszugeh’n, ins kühle Nass hinein?
Kein Brahms, kein Bach, kein Bass, kein Gong bereit.

Kein Blau des Himmels, noch das Gelb der Sonne,
kein Strand und auch kein Meer sorgen für Wonne,
von nichts ertönt Musik, nicht die geringste.

Doch liegt das erste gelbe Blatt am Grunde,
weiß man sogleich nach diesem frohen Funde:
Jetzt kommt sie wieder, die Kunst aller Künste.

 

 

Gruppentherapie – 7 Dinge, die wir schon immer voneinander wissen wollten

1. Was war der skurrilste Moment, den du bei deiner Arbeit erlebt hast?

Thilo: Mein erster Termin in Dortmund. Bei der Zugabe setzt sich der gesamte Dortmunder Männergesangsverein BVB-Mützen auf und johlt Fahnen-wedelnd Booorussiaaaa durch den Saal – außer mir fand das aber seltsamerweise keiner skurril…

Hannah: Ich habe Peter Maffay interviewt – und er ging mir gerade mal bis zur Schulter.

Anna C.: Eine Sitznachbarin in einem langweiligen (Pardon Hannah!) Orgelkonzert beugte sich über meinen Notizblock und begann mit einem triumphierenden „Ha! Sie sind von der Presse!“ einen Monolog über ihr derzeitiges Kulturprojekt. Seitdem schreibe ich nur noch im Dunkeln mit, oder auf dem Klo.

Anna L.: Die Konzerte der umliegenden Gesangsvereine meines Heimatdorfes. Alle skurril.

Robert: Einmal wollte ich einen Pianisten noch vor einem Konzert interviewen. Ich kam in den Konzertsaal, wo er gerade übte. Die Bühne sah aus wie eine Studentenbude, überall lagen Sachen herum, darunter eine Ukulele und eine Kette…

2. Schonmal eine schlimme Schreibblockade gehabt? Was tust du in solchen Momenten?

Thilo: Verzweifeln. Dann spazieren gehen. Nachdenken, warum ich diese Beruf eigentlich liebe. Das Ergebnis liefert entweder frische Ideen – oder plustert die Verzweiflung auf zum unerreichbaren Ideal. Dann hilft nur: Durchbeißen.

Hannah: Ja, ständig immer mal wieder kleinere Schreibblockaden. Meist mache ich dann nicht viel außer immer wieder einen neuen potenziellen ersten Satz zu konstruieren. Wenn der richtige erste Satz steht, läuft der Rest oft einfach hinterher.

Anna C.: Verzweifeln. Dann einen Tee trinken. Nachdenken, warum ich diesen Beruf eigentlich mache. Fluchen. Irgendwas schreiben. Spontan Schlaf nachholen. Nervös aufwachen. So lange redigieren, bis die Sätze annähernd Sinn ergeben. Fluchen. Abschicken.

Anna L.: Ja! Aufhören und wenn es zeitlich geht, ein paar Stunden später oder am nächsten Tag weiterschreiben. Wenn es nicht geht: Der Horror! Dann wird’s ein unglücklicher Text.

Robert: Ich warte sehr lange, bis ich mit dem Schreiben anfange. Danach sprudelt es meistens nur so raus. Unter Stress schreibe ich besser. Wenn es dann nicht geht, verfalle ich in Floskeln.

3. Für wen schreibst du?

Thilo: Für den neugierigen Hörer – oder den, der es werden will. Für Streithähne. Für Betriebsblinde. Für mich.

Hannah: Viel für mich selbst, für Menschen, die sich ohnehin dafür interessieren, für die Musiker und Konzertbesucher, für den Interviewpartner, für alle, die zufällig auf der Seite landen, für alle, die das Thema eigentlich Scheiße finden.

Anna. C:. In der Grundidee eigentlich für die Musiker. Uneigentlich für mich, um die Gedanken zu sortieren und zu verarbeiten, in der wachsenden Hoffnung, dass die Musiker es nicht lesen. Im Redigat in dem Bewusstsein, dass sie es doch tun werden.

Anna L.: Für mich und für alle, die es interessiert. Noch besser: Der Leser interessiert sich jetzt für das Thema, weil ich darüber geschrieben habe.

Robert: Nach Stockhausen: „Ich schreibe für Jedermann, aber nicht um jeden Preis.“

4. Glaubst du, du kannst über Musik urteilen?

Thilo: Nein. Aber ich glaube, ich kann meinen rein subjektiven Eindruck argumentativ und sachgemäß vertreten. Niemand muss etwas mögen oder hassen, weil ich es tue. Wichtig ist mir allein, dass mein Standpunkt verstanden wird.

Hannah: Mir geht es wie Thilo. Ich kann höchstens versuchen zu erklären, warum mir etwas gefallen hat oder nicht. Wenn das gelingt, und Leser verstehen, was ich meine, habe ich mein Ziel erreicht.

Anna C.: Ja, auf jeden Fall, weil ich es sowieso mache. Ich versuche nicht zu verurteilen, aber auch das passiert schnell. Wen mein Urteil interessieren sollte/könnte, warum und ob es überhaupt irgendwo reingehört, das sind die schwierigeren Fragen.

Anna L.: Ich finde „urteilen“ klingt ein bisschen streng. Im Gericht werden Urteile gefällt. Ist „bewerten“ das bessere Wort? Da denke ich an Schulnoten. Eher kann ich beschreiben, wie ich die Musik empfinde und wahrnehme.

Robert: Über Interpreten sehr wohl. Über Musik? Wozu denn?

5. Wieviel Erfahrung brauchen Kritiker?

Thilo: Immer mehr als er hat und weniger als man meint.

Hannah: Die schönsten Besprechungen schreiben manchmal Leute, die ein Stück zum allerersten Mal hören und noch nicht versaut sind durch standardreproduzierten Kritikersprech.

Anna C.: Vielleicht vor allem viel Erfahrung, selbst kritisiert zu werden? Das wäre doch ein schönes Format – Musiker kritisieren Kritiker.

Anna L.: Je mehr Erfahrung, desto besser! Allerdings sollte man nach all den Konzerten und geschrieben Seiten irgendwie frisch im Kopf bleiben.

Robert: So viel wie möglich. Im besten Fall selbst Musik machen, um die Leiden der jungen Interpreten zu verstehen.

6. Willst du die Jugend erreichen? Wie?

Thilo: Ja. Aber nicht zwanghaft. Ich bin schließlich Teil der „Jugend“, warum sollten sich Gleichaltrige also nicht auch von meinen Gedanken angesprochen fühlen?

Hannah: Ich weiß immer nicht, was mit „die Jugend“ gemeint ist. Tatsächlich ist mir das Alter derjenigen, deren Interesse ich für ein Thema wecken kann, ziemlich egal.

Anna C.: Ich schwimme lieber im Silbersee, da freut man sich so über meine eigene Jugend. Aber über jugendliche Mitschwimmer freue ich mich auch.

Anna L.: Kommt darauf an, wer die Jugend ist. Sind es die pubertären Jungs, die mir heute im Zug den letzten Nerv geraubt haben, kann ich mich nur der Frage anschließen: Wie?

Robert: Die Jugend zu erreichen ist sehr schwer, wenn zuvor kein Kontakt mit (klassischer) Musik stattgefunden hat. Bei jüngeren Kindern ist das vermutlich einfacher. Es muss auch viel von den Eltern kommen.

7. Glaubst du, du kannst mit deiner Arbeit die Welt verbessern?

Thilo: Ja, definitiv. Was aber nicht heißt, dass sie das zwingend auch tut.

Hannah: Ich glaube, Journalismus kann zur Entstehung und Eskalation von Konflikten beitragen. Genauso glaube ich, dass Journalismus zum Frieden in der Welt beitragen kann. Kulturjournalismus, zu dem der Musikjournalismus zählt, spielt da eine genauso wichtige Rolle, wie Journalismus über Politik. Also: Ja. Ich glaube, meine Arbeit kann ein Beitrag zum Frieden und zum reflektierten Denken in dieser Welt sein.

Anna C.: Das finde ich zu dick aufgetragen, da gibt es einfachere Wege als Musikjournalismus. Bestimmt ist es irgendwie möglich, aber ich glaube, dass ein Großteil unserer Arbeit kaum bzw. keine einsehbaren Einfluss auf eine „bessere Welt“ hat.

Anna L.: Unsere Arbeit ist wichtig, keine Frage. Aber die Welt verbessern? I don’t know.

Robert: Musik ist etwas, das tief in der Sozialisation und damit im einzelnen Menschen verwurzelt ist. Und Musikjournalismus gehört zur Musik dazu wie das Musikmachen selbst. Daher lautet die Antwort für mich eindeutig ja.

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