Almost Famous – oder auch nicht

Ich stehe nicht auf der Liste. Mal wieder. Sowas passiert nicht immer, aber oft genug, um damit ab und an rechnen zu müssen. In solchen Situationen denke ich an den Film „Almost Famous“, der auch vor verschlossenen Türen beginnt. Der junge Musikjournalist William Miller kommt nicht ins Konzert, obwohl er für ein lokales Fanzine ein Interview mit Black Sabbath führen soll. Aber hier geht es nicht um Black Sabbath. Es geht um eine Johannespassion mit dem Kirchenchor oder einen Jazz-Star mittlerer Bekanntheit oder einen ausverkauften Abend im örtlichen Konzerthaus. Je unbekannter der Arbeitgeber, desto wahrscheinlicher, dass der/die freundliche Kassenbedienstete keine Ahnung hat, woher man kommt, was man will und ob man es darf. Und dann beginnt der Horror.
(Spoiler: Wie William Miller schaffe auch ich es letztendlich immer rein, egal ob zu Recht oder nicht, ergo ob sich der Veranstalter oder die Redaktion geirrt hat. Einmal stand die „eigentliche“ Kritikerin vor mir und sagte mit drohender Stimme „das ist mein Platz…“. Sehr unangenehm sowas, und es war wirklich nicht meine Schuld, ehrlich!)

Für diejenigen, die keine Karten haben und auch keine kaufen wollen, gibt es an der Kasse auch keinen Platz. Im besten Fall gibt es eine Ecke, in die man sich als Kind schon stellen musste, um sich zu schämen. Das Tolle an der Ecke ist auch, dass man dort von ausnahmslos allen dabei gesehen wird. Die Ecke ist der grausige Ort des Wartens, des Wartens auf die Aufklärung, auf wichtige Telefonate, die getätigt werden könnten, wenn denn all die anderen Besucher mit Karten versorgt sind, der Rest geklärt ist und Brigitte kommt, wir warten auf Brigitte. Oder Markus, sie sind vom Management, die können das entscheiden. Warten in der festen Hoffnung, dass ich am Ende doch reinkomme, aber mit genug Ungewissheit, die mir alle paar Sekunden den Magen umdreht. Durchsetzt von Momenten des existentiell bedrohenden Selbstzweifels, der eitlen Selbstbeschwichtigung sowieso zu gut für das alles zu sein und der rastlosen Aggressivität, die kein Ventil finden darf. AAAAH!

Da landet auf mir der hoffnungsvolle Blick eines dieser Menschen, die noch eine Karte loswerden wollen. Auch er wurde von dem/der freundlichen Kassenbediensteten zuvor mit einem äußert netten und bestimmten Blick in die andere Ecke verwiesen, um nach Abnehmern Ausschau zu halten. Ach sie ist krank geworden? Wie schade. Super Plätze! Danke, aber nein danke, ich habe selbst Karten, eigentlich. Aber warum soll ich bezahlen, wenn ich zur Arbeit gehe. Vierzig Minuten stehe ich hier vor der Toilettentür rum, das macht Laune für eine richtig gute Rezension. Was soll ich denn jetzt schreiben? Da möchte ich am liebsten meinen Stolz wieder zusammenkratzen und gehen. Demonstrativ. So. Ich gehe jetzt. Ja. Sofort. Jetzt gleich. Ich warte noch drei Minuten und dann gehe ich. Noch fünf. Na gut sieben. Ah, die sieht wichtig aus, das wird bestimmt, ach doch nicht. Ok, jetzt noch zwei. Noch eine. Jetzt gehe ich aber. Ach Moment, da kommt jemand. „Hier, die da hinten ist von keine-Ahnung-was und sollte wohl auf der Liste stehen.“. Zum Teufel mit eurem Laden! Ich bin – oh, das ging ja schnell, äh… danke…. ja… ok… ich sage Bescheid….. Dann… beim nächsten Mal….

 

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