Was mache ich hier überhaupt?

Von Sophie Emilie Beha

Musikjournalistischer Alltag? In letzter Zeit so gut wie nicht vorhanden. Die vergangenen fünf Monate habe ich im Auslandssemester verbracht. Natürlich war ich dort auch ab und an in der Oper oder im Konzert, geschrieben habe ich aber selten darüber. Die Prioritäten waren umsortiert: An die Stelle vom Schreiben über Musik traten eine neue Sprache und mir unbekannte Orte.

Trotzdem habe ich mir immer wieder eine Frage gestellt, die nun Zeit und genügend Distanz endlich zugelassen haben:

Warum bin ich Musikjournalistin? Kann ich damit in irgendeiner Form die Welt verbessern? Sollte ich nicht lieber einen Beruf ergreifen, der eine größere gesellschaftliche „Relevanz“ besitzt wie Ärztin, Aktivistin oder Politikerin? Claudio Abbado meinte einmal, alle Musikkritiker sollten besser Metzger werden. Hatte er Recht?

Braucht jeder Beruf „Relevanz“?

Wann ist ein Beruf nützlich, sinnvoll, wichtig? Wenn er gesellschaftliche „Relevanz“ hat und das Potenzial, Menschen, Institutionen und Umstände zu ändern? Aber muss das wirklich jeder Beruf? Die „Relevanz“ erreicht doch gerade in der Kunst eine andere Ebene. Was ist eine Gesellschaft ohne Kunst? Ist es nicht daher zwingend notwendig, dass Kunst und auch die Kritik an ihr zweckfrei stattfinden können?

Musikjournalismus kann mit Kenntnissen über Repertoire und Historie eine qualifizierte Zweitmeinung liefern. Er analysiert und seziert die Musik, zerstückelt sie in alle Einzelteile, um sie dann wieder zu einer großen Abstraktion zusammenzusetzen. So kann er das erhellen, was im Dunkeln liegt, Unverständnis und Vorurteil durch Ordnung aus dem Weg räumen. Meine Arbeit als Musikjournalistin halte ich für sinnvoll. Gerade in politisch stürmischen Zeiten brauchen wir Kunst. Als Sandkasten, wo wir die Freiheit haben, Burgen zu bauen und sie wieder zu zerstören und als Form der Kritik.

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